Unsere Vierbeiner

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Border Collie unser Vierbeiner


Hunde nehmen unter all den domestizierten Tiere als die vielleicht einzige voll zum Haustier gewordene Spezies eine Sonderstellung ein. Kein anderes Tier verbindet ein so starkes Zusammengehörigkeitsgefühl mit uns. Dabei sind wir bis zu einem gewissen Grad die "Kerkermeister" des Hundes, denn jede Illusion von Freiheit müssen sie uns abgewinnen und lernen, durch geschicktes Taktieren die angestrebten Freiheiten zu verwirklichen. Doch mit meisterhaftem Geschick lernen unsere vierbeinigen Freunde schnell, unsere Stimmung zu deuten – ja scheinbar sind sie manchmal sogar in der Lage, unsere Gedanken zu lesen. Und wer weiß schon genau, ob nicht sogar der Griff zur Kühlschranktür von dem in stiller Anbetung davor sitzenden "Hundi" gesteuert ist....

Alle Hunde stammen von der selben Spezies ab: dem Wolf. Trotz Kreuzungen, Züchtungen und der seit 10.000 Jahren dauernden Freundschaft zu uns hat er seine Urinstinkte nicht gänzlich verloren. Ein winziger Yorkshire-Terrier mag neben der riesigen Dänischen Dogge wie eine Miniaturausgabe wirken, aber unter ihrem Fell sind sie Brüder.

Mancher Briefträger hat schon mit einem wütendem Angriff eines Yorkshire-Terriers Bekanntschaft gemacht und die Flucht ergriffen. Begegnet dieser im Park einem großen Hund, wird auch der mit wütendem Kläffen "verjagt". Der Kleine weiß, dass er ein erwachsenes Tier ist, warum also Zurückhaltung zeigen? Der Goliath ist durch so viel Selbstbewusstsein irritiert und so sucht mancher sein Heil in der Flucht. Der Halter wähnt seinen Großen als Feigling, doch das ist er keineswegs. Der Riese hat nicht etwa Angst vor dem Zwerg, sondern gesteht dem Angreifer aufgrund seiner Körpergröße einen besonderen sozialen Status zu, nämlich dem des Welpen. Das Problem ist allerdings, dass sich dieser "Welpe" nicht wie erwartet verhält, daraus resultiert dann die Verunsicherung und die "Flucht" des körperlich überlegenen Tieres.

In der Damen-Hundewelt gibt es viel Launenhaftigkeit. Hündinnen sind oftmals "zickig". Nicht nur andere Hündinnen, sondern vor allem die Rüden haben oft unter der Launenhaftigkeit der Damenwelt zu leiden. Wo gestern noch die Lady mit eindrucksvoll wackelndem Hinterteil selbst den größten Macho in einen verliebt winselnden Schmächtling verwandelt, ist morgen schon alles vorbei und der wie ein Gockel heranstolzierende Rüde wird mit wütendem Gebell vertrieben. Während gestern noch die Hundewelt in Ordnung schien und man gemeinsam umhertollte, ist heute alles ganz anders und die Angebetete zeigt sich ungnädig und abweisend. Wer kann bei so viel Launenhaftigkeit da noch mitkommen?

Überhaupt ziehen Rüden im Umgang mit der Damenwelt meist den Kürzeren. Der größte Raufbold verwandelt sich bei Anwesenheit einer läufigen Hündin in einen Latinlover der ersten Güte. Mit schönster Pose versucht er, die Auserwählte von seinen Qualitäten zu überzeugen. Doch längst nicht jeder ist der Dame recht. Und so kann es passieren, dass dieser von sich überzeugte Liebhaber eine gewaltige Abfuhr bekommt und diese sich statt dessen einem anderen Rüden zuwendet. Doch das kann Romeo dann nicht auf sich sitzen lassen und schon wird aus dem Kavalier ein eifersüchtiger Gehörnter, die sich auf den Rivalen stürzt. Und wenn er dann noch das Pech hat, auf einen Stärkeren zu treffen, ist es aus mit dem Selbstbewusstsein. Doppelt geschlagen verlässt Romeo mit eingezogener Rute und hängenden Ohren das Feld.

Überhaupt sieht das Sexualleben bei unseren vierbeinigen Freunde eher schlecht aus. Natürlich kann man den Hundehaltern keinen Vorwurf machen, denn würde man "Hundi" erlauben, ihre Sexualität auszuleben, würde dies eine wahre "Hundeschwemme" nach sich ziehen. Soweit wäre die Welt ja noch in Ordnung, aber leider befinden sich die meisten Rüden – mangels Gelegenheit - in einem Stadium permanenter sexueller Frustration. Dies kann sogar solche Ausmaße annehmen, dass ihnen selbst die Hauskatze oder das Bein eines Besuchers begehrenswert erscheint. Dies kann den Besucher und auch das Herrchen in arge Verlegenheit bringen. Rüden sind das ganze Jahr über paarungsbereit, doch die Hündinnen sind nur zweimal im Jahr für eine Zeit lang läufig. Ist diese Zeit gekommen, finden wahre Pilgerfahrten zu diesen Hündinnen statt. In Scharen treffen sich schmachtende, heulende, winselnde unkastrierte Liebhaber vor den Haustüren. In gemeinsamen Leiden und mit sehnsüchtigen Blicken, alles um sich vergessend, verharren sie über Tage vor den Häusern. Doch werden sie kurz oder lang von ihren Besitzern wieder abgeholt oder zurückgepfiffen und müssen dann zuhause schmachtend und eingesperrt auf die Befriedigung ihrer Bedürfnisse verzichten.

Aber auch dem weiblichen Geschlecht ergeht es in Sachen "sexueller Frustration" nicht besser: Wenn die Hündin nicht gerade kastriert worden ist, wird sie während der kurzen Läufigkeit im Haus eingesperrt, mit dämpfenden Medikamenten versorgt oder gezwungen, ein Marterinstrument mit sich herumzuschleppen, das dem menschlichen Keuschheitsgürtel des Mittelalters entspricht. Die bedauernswerten, unkastrierten Vierbeiner sind ihr Erdendasein lang zu sexueller Enthaltsamkeit gezwungen. Eine Kastration erspart Hund und Herrchen viel Leid oder gar ungewollte "Elternfreuden".

Es gibt Hundehalter die behaupten, ihr Vierbeiner haben "einen Geist gesehen". Während eines Spazierganges sei der Hund auf freiem Feld plötzlich mit gesträubten Schulter- und Nackenhaaren erstarrt stehen geblieben. Er fing an zu knurren oder sogar an zu winseln und weigerte sich, auch nur einen Schritt vorwärts zu gehen. Und genauso plötzlich sei diese Starre gewichen und der Spaziergang konnte ungehindert fortgesetzt werden. Auch ist bekannt, dass Hunde über große Entfernungen hinweg den Weg nach Hause finden, selbst wenn Ihnen die Gegend nicht bekannt ist. 

Hunde spüren z.B. wenn sich ein Erdbeben oder ein Gewitter ankündigt. Unmittelbar vor Einsetzen eines Unwetters gerät der Hund in Unruhe und beginnt, im Haus auf und ab zu laufen oder gar zu winseln. Andere Hunde wissen schon am Morgen, dass Herrchen und Frauchen am Abend eine Unternehmung ohne ihren Vierbeiner geplant haben. Den ganzen Tag wird er dann mit herunterhängenden Ohren wie geprügelt umherschleichen, vielleicht gar sein sonst so heißgeliebtes Futter verweigern. Doch es gibt nichts Übernatürliches an der überaus großen Sensibilität. All diese "Ahnungen" lassen sich zweifellos auf biologische Mechanismen zurückführen, obwohl diese noch nicht nachgewiesen oder wissenschaftlich belegbar sind.

Verglichen mit den Sinnen des Hundes befinden wir Menschen uns auf der VW-Käfer-Ebene und unsere Vierbeiner sind die Formel I. Lange Zeit glaubte man, Hunde seien farbenblind. Die geringe Anzahl der Zapfen in der Netzhaut des Hundes zeigt zwar, das diese nicht in einem Farbenrausch schwelgen, aber ihre Welt zumindest bis zu einem gewissen Grad farbig wahrnehmen. Dafür enthält die Netzhaut besonders viele Stäbchen, so dass ihre Augen optimal den Tageszeiten angepasst sind, zu denen sie am aktivsten sind: der Morgen- und die Abenddämmerung. Bei Dämmerlicht sind Hunde den Menschen weit überlegen. An der Rückwand ihrer Augen befindet sich eine lichtreflektierende Schicht, tapetum lucidum genannt, die das aufgenommene Bild verstärken. So ist selbst unter schlechtesten Lichtverhältnissen die Wahrnehmungsfähigkeit gewährleistet. Hunde sind mehr auf Bewegung als auf die optische Wahrnehmung von Details fixiert. Ein unbewegliches Objekt ist für sie kaum auszumachen. Schon rund 30 Meter weiter kann ein Hund sein Herrchen nicht mehr ausmachen, wenn dieser unbeweglich verharrt. Andererseits sieht ein Hund die ausgeführten Handsignale noch aus einer Entfernung von mehr als einem Kilometer. Erstaunlich ist auch das Gesichtsfeld: Dies reicht je nach Rasse von 250 bis 270 Grad. Bei flachgesichtigen Rassen verengt dieser noch geringfügig, obwohl auch dies bei weitem größer ist als beim Menschen (180 Grad). Der einzige Trost ist, dass wir Menschen lediglich Entfernungen besser abschätzen können als Hunde dies vermögen.

Auch in Sachen Hören sind uns unserer Vierbeiner im Hochfrequenzbereich weit überlegen. Unser Ohr kann Schallwellen mit ca. 12.000 bis max. 20.000 Schwingungen /sek.,. aufnehmen. Bei Hunden liegt die obere Grenzen bei bis zu 100.000 Schwingungen/sek. Dadurch ist der Hund in der Lage, Töne zu hören, die im Ultraschallbereich angesiedelt sind. Selbst noch das leiseste Rascheln von Ratten und Mäusen ist für ihn hörbar. Unglaublich aber wahr: Wölfe hören das Heulen Ihrer Artgenossen noch auf eine Entfernung von mindestens sechs Kilometern. Aber auch hier gibt es einen Trost: Im Niedrigfrequenzbereich haben Hunde in etwa die gleiche Hörfähigkeit wie wir.

Durch seinen Geruchssinn ist der Hund in der Lage, Stoffe auch noch in geringster Konzentration wahrzunehmen. Diese "Geruchswelt" ist dem Menschen ebenso unzugänglich ist, wie dem Hund die höhere Mathematik. Einige Experten behaupten, dass der Geruchssinn eines Hundes hundertmal feiner sei als der des Menschen; andere sprechen gar von millionenmal. Fest steht, das die Hundenase auf spezifische Gerüche wie z.B. Blumenduft nicht viel empfindsamer reagiert als die des Menschen, da diese für das Tier wenig Bedeutung haben. Dagegen haben Tests eindeutig erwiesen, dass das Geruchsvermögen beim Aufspüren bestimmter Duftstoffe, wie z.B. Buttersäure, die im Schweiß enthalten ist, mindestens eine Million Mal besser ist als beim Menschen. So ist z.B. für einen Bluthund der menschliche Fußschweiß so stark, dass dieser in der Lage ist, einer vier Tage alten Spur über Hunderte von Kilometern zu folgen, selbst wenn diese durch andere Abdrücke überlagert wurde oder sogar, wenn alle Beteiligten Schuhe getragen haben.

Diese Fähigkeit verdankt der Hund seinen rund 220 Millionen Geruchszellen. Der Mensch besitzt davon lediglich rund fünf Millionen. Wenn es darum geht, ungewöhnliche Gerüche aufzuspüren, ist der Hund effektiver als jedes vom Menschen ersonnene Hilfsmittel. Eine der wohl erstaunlichsten Theorien im Zusammenhang mit dem "sechsten Sinn" des Hundes: Man glaubt, das die Hundenase über Infrarot-Detektoren verfügt. Dadurch ließe sich so manche rassespezifische Fähigkeit erklären, die früher als übernatürlich galt. Bernhardiner sollen in der Lage sein, durch Schnüffeln im Schnee festzustellen, ob ein Lawinenopfer noch lebt. Die Theorie, dass die Hundenase mit Wärmedetektoren ausgestattet ist, scheint damit gar nicht so weit hergeholt zu sein. Schon lange kennt man bestimmt Schlangenarten, die in grubenartigen Vertiefungen zwischen Augen und Nasenloch Sensoren haben, mit denen sie auch über weite Entfernung noch die Wärmespuren und die zusätzliche Infrarotstrahlung von warmblütigen Beutetieren orten können.

So mancher Hund hat seinen Besitzer zur Verzweifelung getrieben. Grade ist man im Wald und schon suhlt sich "Hundi" selbstvergessen in einem halb verwesten Kadaver. Auch Kuhfladen oder Pferdeäpfel üben eine geradezu magische Anziehungskraft auf so ein "Schweinchen" aus. Eine eindeutige Erklärung für dieses Verhalten hat man bis heute nicht gefunden. Theorien besagen, das ein suhlender Hund seinen Eigengeruch überdecken möchte. Sein Fell nimmt den Fremdgeruch an, der eine perfekte Tarnung - beispielsweise für die Jagd – darstellt. Oder, dass sich Hunde in fremden Düften wälzen, um Artgenossen spezifische Informationen zu übermitteln und mitteilen wollen, dass sie einen wertvollen Fund gemacht haben, der zur gemeinsamen Jagd einlädt. Mit Sicherheit ist ein Hund, dem Dung- oder Verwesungsgeruch anhaftet, für seine Artgenossen äußerst interessant; sie scharen sich um ihn und er wird beschnüffelt. Eine andere Hypothese besagt, dass Hunde beim Wittern jeder Substanz mit starkem Eigengeruch – gleichgültig, aus welcher Quelle er stammt – in eine Art "Duftrausch" verfallen. Allerdings ist dieses für seinen menschlichen Besitzer gar nicht berauschend oder aufregend und der eine oder andere wünscht seinen Gefährten dann zum Teufel...

Noch weniger berauschend findet mancher Hundehalter ein besonderes Bedürfnis seines tierischen Freundes: Das abendliche "Betthupferl" hat nämlich vier Beine, eine kalte Nase und einen erstaunlich großen Platzbedarf im Bett seines Menschen. Zudem scheint "Hundi" dort über etliche Pfoten mehr zu verfügen, denn garantiert liegt immer eine dort, wo Herrchen oder Frauchen sich hinlegen wollen. Dabei hat sein Besitzer sich lange gegen diesen "Ausgesetzten-Blick" und das herzzerreißende Wimmern gewehrt. Leider ist er dann der Hunde-Taktik zum Opfer gefallen. Denn während er dachte: Nun gut, einmal ist keinmal, taktiert "Hundi" ganz klar nach dem AOL-Prinzip: ICH BIN DRIN! Kleinere Rassen haben dabei ihren größeren Kollegen gegenüber einen entscheidenden Vorteil. Gelingt es aber einem "Riesen" einen solchen Schlafplatz zu ergattern, wird diese Nachgiebigkeit für Herrchen und Frauchen nicht selten zum "Trennungsgrund" – im wahrsten Sinne des Wortes.

Warum aber sind Hunde so versessen darauf, in der Nähe Ihrer Menschen zu schlafen? Hunde sind in vieler Hinsicht nie über das Welpenalter hinausgekommen. Selbst ausgewachsene Tiere sehen den Menschen als "Pseudo-Eltern" und deshalb ist es für sie natürlich, die Körperwärme ihrer "Mutter" zu suchen. Hat der Hund eine enge Beziehung zum Halter, dient dieser als "Ersatzmutter" und als begehrtes Kontaktobjekt während des Schlafens. Selbst wenn das Bett als Ruheplatz streng verboten ist, möchte der Hund so nahe wie möglich bei seiner Familie sein. In freier Wildbahn schlafen die Wölfe dicht beieinander. Nur die vom Rudel ausgestoßenen Tiere legen sich in angemessener Entfernung von ihren Artgenossen nieder. Ein Hund, der nachts ausgesperrt wird, fühlt sich - für ihn völlig unverständlich – von seinem Rudel ausgestoßen und leidet. Gewähren Sie Ihrem "Hundi" einen Schlafplatz vor dem Bett, dann ist seine Hundewelt in Ordnung.