Ursachen Epilepsie

zurück

Alles über Epilepsie


Ursachen der Epilepsie

Für eine erfolgreiche Behandlung von Epilepsie ist es unerlässlich die genauen Ursachen für die epileptischen Anfälle herauszufinden. Jedoch kann in den meisten Fällen keine Ursache für das Auftreten epileptischer Krampfanfälle festgestellt werden. In diesen Fällen spricht man von einer idiopathischen Epilepsie. Ein erster epileptischer Anfall ist jedoch noch nicht gleichbedeutend mit einer Epilepsie. Erst wenn zwei und mehrere Anfälle ohne erkennbaren Auslöser aufgetreten sind, spricht man von einer Epilepsie.

"Das Gewitter im Gehirn"
1. Spontane Entladung einer Gruppe von Nervenzellen im Großhirn, epileptischer Focus.

2. Umliegende Neuronengruppen werden durch die Entladung gereizt, hier besteht die möglich einer Ausdehnung über das gesamte Stammhirn (generalisierter Anfall).

3. Rückenmark und Nerven verteilen die Erregung, es kommt zu den bekannten Symptomen.

Der "Mechanismus" solcher spontanen Entladungen ist weder für die primäre noch sekundäre Epilepsie bekannt. Im Prinzip kann jedes Gehirn zu solchen plötzlichen Entladungen gebracht werden, doch hat es normalerweise eine sogenannte Krampfschwelle. Daher sind sehr starke Reize zur Krampfauslösung notwendig, z.B. Elektroschock, Krampfgifte, Unterzuckerung. Liegt aus genetischen oder vererbten Gründen die Krampfschwelle niedrig, kommt es zu spontanen oder leicht auslösbaren Krampfanfällen.

Primäre Epilepsie
Die primäre (vererbte) Epilepsie ist genetisch bedingt und wurde durch Vererbung erworben. Die genauen Hintergründe sind bis Heute immer noch nicht vollständig erforscht. Vermutet wird ein genetischer Defekt im Bereich der neuronalen Membranen bzw. der Neurotransmitter. Eine definitive Diagnose der primären Epilepsie ist in den seltensten Fällen möglich.

Sekundäre Epilepsie
Bei der sekundären Epilepsie haben die Anfälle eine indirekte Ursache. Man spricht hier von versteckten Krankheiten (gemachte Epilepsie) die zum Anfallsgeschehen führen. Wie bei der primären Epilepsie bekommen die Hunde epileptische Anfälle die von einer echten Epilepsie nicht zu unterscheiden sind. Bedauerlichweise fallen die meisten Tierärzten und Fachleuten zu schnell die Diagnose das der Hund inter "Primäre Epilepsie" leidet. Um so wichtiger ist es genau deshalb, das Hundehalter alle Möglichkeiten der Untersuchungen bzgl. einer sekundären Epilepsie ausschöpfen, besonders dann, wenn bei den Vorfahren und Verwandten des Tieres kein Verdacht auf eine vererbte Anlage gegeben ist. Ein Hund der noch kein Jahr alt ist und bereits epileptische Anfälle hat, hat höchstwahrscheinlich keine primäre Epilepsie, da diese in der Regel nur im Alter zwischen 1 und 5 Jahren auftritt. 

Mit anderen Worten und ganz genau genommen, eine primäre Epilepsie kann nur dann sicher diagnostiziert werden, wenn tatsächlich eine sekundäre Epilepsie ausgeschlossen worden ist. Besteht allerdings der Verdacht das bei den Vorfahren und Epilepsie verbreitet ist, können Sie sich die teuren Untersuchungen für die Diagnose einer sekundären Epilepsie sicher sparen, da die Wahrscheinlichkeit einer primären Epilepsie einfach zu hoch ist.

Partieller Anfall (petit mal)
Beim partiellen Anfall bleibt die Entladung im Hirn auf einen Bereich begrenzt. Je nach Bereich treten die verschiedenen Symptome auf, wie das bekannte Schwanzbeißen, regungslos in die Luft starren etc.

Generalisierter Anfall (grand mal)
Bei generalisierten Anfällen verteilt sich die Entladung über das gesamte Stammhirn. Tage vor dem Anfall wird das Tier oft sehr unruhig oder auch ängstlich. Eigenartiges, verwirrtes Verhalten wird beobachtet. Beim direkten Anfall bricht das Tier bewußtlos zusammen. es folgen tonische, danach klonische Krämpfe der Extremitäten und der Gesichtsmuskulatur: Harn- und, oder auch Kotabsatz, vermehrter Speichelfluß und Laufbewegungen treten auf. Besonders der Harn- und Kotabsatz sagt etwas über die schwere des Anfalls aus. Danach geben die meisten Tiere einen lauten Entspannungsschrei von sich. Nach dem Anfall folgt ein Lauf- und Bewegungsdrang, der wenige Minuten bis zu eine
r Stunde andauern kann. Nachdem Anfall ist oft bis zu einer Woche wieder ein eigenartiges verwirrtes Verhalten (Aura) zu beobachten.

Der gefürchtete Status epilepticus
Der Status ist eine Aneinanderreihung von generalisierten Anfällen ohne Erholungsphasen. Man spricht in der Regel davon, das mehr als fünf Anfälle innerhalb von 24 Stunden schon als Status gelten. Kommt es direkt zu aneinandergereihten Anfällen oder hält ein Anfall über fünfzehn Min. an, also wollen die Krämpfe nicht aufhören, spricht man vom Status. Der Status epilepticus ist ein Notfall, der ohne Behandlung zum Kreislaufzusammenbruch, Herzversagen, Erschöpfung zum Tod führen kann. Nicht zu vergessen ist auch der unterschwellige krampffreie Status, der unbemerkt bleibt und daher besonders gefährlich ist. Bei genauer Beobachtung sind partielle Anfälle und Verwirrtheit zu erkennen.

Die häufigsten Ursachen einer sekundären Epilepsie
Als erste und wohl bekannteste Ursachenlokalisation bei einem krampfenden Hund ist der Kopf im Bezug auf ein krampfauslösendes Trauma zu nennen, das durch ein schreckliches Erlebnis oder auch durch Verlustangst ausgelöst wurde. 

Als Anfallsauslösende Ursachen können Blutgerinnsel, bekannt als intrazerebrale Blutung mit nachfolgender Narbenbildung, Gehirnerschütterung oder eine Flüssigkeitsansammlung (Ödem) im Gehirn verantwortlich sein, bzw. auch durch den Wasserkopf (Hydocephalus) können Anfälle ausgelöst werden. Auch ein subdural oder epidural gelegenes Hämatom (Vascular = Bluterguß) an den Häuten des Rückenmarks, der sehr kopfnahen Halswirbelsäule und des nachfolgenden Regenerationsprozesses kann als Ursache für Krampfanfälle in Erwägung gezogen werden.

Beim Ausschließen von Ursachen, die vom Kopf ausgehen, muss auch an einen Gehirntumor, bzw. Metastasen gedacht werden, die meist bei über fünf Jahren alten Hunden den häufigsten Grund für Krampfanfälle darstellen.

Weiter ist der sehr große Komplex der infektionsbedingten Erkrankung zu durchleuchten. Durch infektiöse Erkrankungen können durchaus Hirnhautentzündungen entstehen, die oft zu Anfällen führen. 

Oft nicht genügend Ernst genommen und vernachlässigt wird der Impfschutz. Wie sieht es mit den regelmäßigem Impfungen bei dem anfallserkrankten Hund aus. Der Impfschutz ist heute ein wichtiger Aspekt geworden, denn hier kommen schweren Virenerkrankungen in Frage, wie z.B. Staupe, Herpes, FSME, Adeno- und Parvoviren.

Epileptische Anfälle sind auch besonders oft auf Ansteckungen zurück zuführen, besonders zu nennen: Tollwut, Pilzerkrankungen, Rickettsien und protozoale einzellige Erkrankungen. Auch Bakterien-Infektionen wie die gefürchtete Borreliose tritt vermehrt in Gebieten, wo sie durch den Zeckenbiss übertragen wird, auf. Sollte der Hund in oder aus südlichen Ländern gewesen sein, sollte man auch den Verdacht auf Leishmaniose in Betracht ziehen. 

Zu untersuchen ist ebenfalls auch ob der Hund an einer eigenen Immunreaktion granulomatöse Meningoenzephalitis (GME) leidet, in dem der eigene Körper bestimmte eigene Zellen als fremd anerkennt und sie bekämpft.    

Die zweite Hauptursache von epileptischen Anfällen sind Vergiftungen aller Art. Häufig hört man von Border Collie Besitzern, das der Hund kurz vor dem ersten Anfall frisch geimpft wurde oder eine Wurmkur u.a. das Wurmmittel Ivomec bekommen hat. Natürlich können auch alle anderen Giftstoffe zu Krampfanfällen führen.  

Entwickelte Stoffwechselerkrankungen, Lissencephaly und Geschwülste sind gerade besonders im ersten Jahr zu beobachten. Hunde die über fünf Jahren sind, sollte man auch auf Sauerstoff und Energiemangel im Gehirn untersuchen, denn dies geht dann auf Ursachen über, die nicht alleine vom Gehirn ausgehen.

Zu den wichtigsten Untersuchungen gehört der große Komplex des Stoffwechsels des Hundes. Die folgendenden diagnostizierten Erkrankungen, die oft zu Anfällen führen sind hier abzuklären. Hypoglykämie (Blutzuckermangel), Hypokalzämie (Kalziummangel), Urämaie, Encephalopathia hepatitica, Hyperlipoproteinämie, Hepatoenzephalopathie und Diabetes (Zuckerschock).

Viele Probleme liegen darin das die Schilddrüse/Nebenschilddrüse, Niere oder auch Leber nicht richtig funktionieren. Nierenprobleme führen zu schweren Vergiftungen des Körpers da die Niere das Abfallprodukt Harnstoff nicht abführt. Bei einem Leberproblem kann auch der Körper nicht mehr richtig entgiftet werden und führt ebenfalls oft zu Krampfanfällen.

Ist der Hund Kurzatmig oder oft Hechelnd unterwegs, hat er manchmal Anzeichen einer blauen Zunge, eines bleichen Zahnfleisches sollte man auf jeden Fall den Besuch beim Kardiologen in Betracht ziehen  Zu nennen sind allgemein Herz- und Atemwegserkrankungen, herabgesetzter Sauerstoffgehalt (Hypoxie) im Gesamtorganismus oder in bestimmten Körperregionen, sowie Blutarmut (Anämie) die abzuklären sind.

Es gibt sicher noch eine Unzahl von weiteren Möglichkeiten an Erkrankungen die Krampfanfälle auslösen, doch sind die eher sehr selten oder angeboren, so das sie eigentlich schon im Lauf des ersten Lebensjahres auftreten.

Am wichtigsten ist u.a. eine spezifische neurologische Untersuchung, und natürlich ist auch ein Blut- und ein Harnstatus unerlässlich. Speziell sollte man den Kopf, die Halswirbelsäule, Brust und Bauch röntgen lassen. Weiter ist eine Liquoruntersuchung, ein EEG und ein CT / MRI des Gehirns möglich.

Was aber bei diesen ganzen Untersuchungen immer als offene Frage bleibt, was möchte man seinem Hund alles zumuten? Die Wahrscheinlichkeit das die Ursache gefunden wird ist leider schwindend gering. Es bleibt eigentlich in der Regel nur die Ohnmacht und das Wutgefühl im Bauch, seinem Hund nicht heilen zu können und der Griff zu Antiepileptika.