Medikamente

zurück

Alles über Epilepsie


Die wichtigsten Medikamente gegen Anfälle

Vorwort: Es ist ein Geduldspiel mit den Medikamenten. Wenn der Hund Glück hat - kann man mit einem wirksamen Medikament und der richtigen Dosierung die Anfälle dämpfen. Die immer wieder beobachteten Nebenwirkungen bei der Erstbehandlung, extreme Müdigkeit, Fresslust, Tollpatschigkeit vergehen innerhalb der Gewöhnungsphase in den ersten sechs Wochen. Es bleibt aber aus Erfahrung zu erwähnen, das durch die Aufdosierung der Medikamente der Hund durch die gewöhnte Dauermüdigkeit schleichend immer mehr tollpatschig wird, sprich er verliert auch den Instinkt vor Gefahren. So können wir beobachten, wie auch andere Halter berichten, das die Hunde in große Glasscherben treten, gegen Bäume, Poller und andere Gegenstände laufen, über vielbefahrene Straßen rennen wollen, um nur einiges nennen zu wollen. Durch die Eingabe der Medikamente manchen wir unsere Hunde zu unkoordinierten Dauerschlaftabletten.

Was sind Antiepileptika?
Genau genommen dürften als Antiepileptika nur Medikamente bezeichnet werden, die eine Epilepsie heilen. Dies ist aber mit sämtlichen bislang zur Verfügung stehenden Mitteln nicht möglich, weil diese nur die epileptischen Anfälle als Symptom unterdrücken und die Epilepsie selbst nicht heilen können. Dies wird auch daran deutlich das die meisten Hunde mit Epilepsie, bei einem Weglassen der Medikamente wieder Anfälle bekommen, auch wenn sie vorher einige Zeit anfallsfrei waren.

Antiepileptika sind mit Abstand die wichtigste Möglichkeit einer Behandlung von Epilepsien. Manchmal ist, meist zusätzlich auch mit nichtmedikamentösen oder sogenannt alternativen Methoden eine erfolgreiche Behandlung möglich.

Seit wann gibt es Antiepileptika?
Das erste bekannte, wirksame und besonders bei schweren epileptischen Anfällen eingesetzte Medikament war Brom (Kaliumbromid: Dibro-Be mono). Die Entdeckung im 18. Jahrhundert beruhte allerdings auf einem Missverständnis. Der Leibarzt Sir Locock der englischen Königin war wie viele seiner Zeitgenossen der Auffassung das Sexualität im Allgemeinen und Onanie die Quelle vieler Übel sei, und er vermutete in der Onanie auch eine wesentliche Ursache der Epilepsien. Nachdem ihm aufgefallen war, dass Brom müde machte und allgemein Aktivitäten verminderte, hatte er unter der Vorstellung einer Abschwächung des Onanierens, Kindern mit Epilepsie Brom gegeben und eine eindeutige Besserung festgestellt. Obwohl die Vermutung eines ursächlichen Zusammenhangs zwischen Onanie und Epilepsie mit Sicherheit falsch war, war damit dennoch das erste wirksame Medikament gegen epileptische Anfälle entdeckt worden. Es dauerte dann mehr als 50 Jahre, bis Anfang des 20. Jahrhunderts (1912) dem deutschen Nervenarzt Alfred Hauptmann die Beobachtung einer antiepileptischen Wirkung des Schlafmittels Phenobarbital (Aphenylbarbit, Luminal) gelang. Auch fast einhundert Jahre später ist Phenobarbital, nicht zuletzt aufgrund seines günstigen Preises, weltweit immer noch das am meisten eingesetzte Medikament gegen epileptische Anfälle.

Auf der Suche nach ebenso gut wirksamen, aber weniger stark müde machenden Mitteln fand man später unter anderem Phenytoin, Epanutin, Phenhydan, Phenytoin-Gerot und Primidon, Mysoline. Erst um 1970 wurden Carbamazepin Tegretol und Valproinsäure, Depakine Chrono entwickelt, die nur bedingt beim Hund einsetzbar sind. Bisher gibt es kein Medikament in der Tiermedizin, man bedient sich bis heute in der Humanmedizin.

Wie werden Antiepileptika entwickelt?
Die ersten Medikamente zur Behandlung von Epilepsie wurden eher zufällig entdeckt. Daran hat sich bis heute trotz intensiver Forschungsbemühungen noch nicht viel geändert. Bis auf sehr wenige Ausnahmen werden neue Antiepileptika immer noch anhand umfangreicher sogenannter Screening- und Suchtests auf ihre antiepileptische Wirkung untersucht. Hat man ausreichend Erfahrung am Tier gesammelt, in welcher Dosierung die Substanz wirksam und verträglich ist, folgen Wirksamkeitsstudien. Jedes Jahr werden weltweit mehrere 100 Substanzen getestet, von denen aber letztendlich nur sehr wenige zur Zulassung kommen.

Die Anwendung von Antiepileptika
Alle Medikamente haben ihre Vor- und Nachteile beziehungsweise Stärken und Schwächen. Es gibt kein ideales Medikament zur Behandlung aller Epilepsien. Der wirksamste und am meisten eingesetzte Wirkstoff beim Hund ist Phenobarbital (Luminal). Nicht nur vom Preis auch von der Halbwertzeit von 12 Stunden ist Luminal einfach mit 2 Eingaben am Tag zu dosieren. Nach wie vor können die meisten Hunde mit epileptischen Anfällen, den verschiedenen Epilepsien damit erfolgreich behandelt werden. Führt die Behandlung mit Phenobarbital nicht zu der gewünschten Anfallsfreiheit wird  ein weiteres Antieptilektika als Duotherapie drauf gesetzt. Wobei meist das bewährte Brom eingesetzt wird. Die Auswahl des geeigneten Medikamentes ist eine der wichtigsten ärztlichen Aufgaben.

Wichtige Hinweise zur Dosierung von Antiepileptika
Fast alle Antiepileptika sollten zu Beginn einer Behandlung langsam ein und aufdosiert werden. Wichtig ist die langsame Aufdosierung um den Hund auf den richtigen Wert einzustellen. Bei einer gleichzeitigen Einnahme von mehreren Medikamenten (sowohl mehreren Medikamenten zur Behandlung der Epilepsie als auch anderen Medikamenten) kann es zu einer gegenseitigen Verstärkung oder auch Abschwächung von Wirkungen und Nebenwirkungen kommen. Dies kann einerseits zu starken Überdosierungserscheinungen führen, andererseits auch mit einem eher noch gefährlicheren Wirkungsverlust. In Zweifelsfällen hilft bei einem solch entsprechenden Verdacht eine Bestimmung des Blutspiegels der Medikamente.

Das Absetzen von Antiepileptika
Der wichtigste Punkt beim Absetzen von Antiepileptika ist, dass diese nur in Notfällen wie bei schweren Nebenwirkungen abgesetzt werden dürfen. Ansonsten droht die Gefahr zu schweren Komplikationen bis hin zum lebensgefährlichen Status epilepticus.

Die wichtigsten Antiepileptika für den Hund
Neben vielen anderen Antiepileptika sind die aufgeführten Medikamente die wirksamsten und besonders geeignetesten für den Hund um Epilepsien zu behandeln.  

Luminal (Heute Phenoleptil): Wirkstoff Phenobarbital, zur Dauertherapie, Tabletten
Dibrobe: Wirkstoff Kaliumbromid, zur Dauertherapie, Tabletten
Diazepam: Wirkstoff Diazepam, um anfallsgeschehen abzubrechen, Zäpfchen zum einführen in den After.
Diazepam Rectal Tube: Wirkstoff Diazepam, Akut- und Notfalltherapeutikum bei einen Status epilepticus, Rektallösung zum Einlauf in den Darm.

Tipp: Diazepamzäpfchen sollte man für einen unerwarteten Anfall ständig bei sich tragen. Um diese leicht in der Hosentasche oder auch Im Sommer aufweichenden Zäpfchen zu schützen, empfehle ich die Zäpfchen in einer Kleinbildfilmdose (bis 5 Stück) aufzubewahren.

Tiershop.de - Alles für Ihr Tier